Note, Tonleiter, Akkord… einfach erklärt
Note, Tonleiter, Akkord… einfach erklärt

Röhrenglocken

Die Röhrenglocken

Die Röhrenglocken (international meist als Tubular Bells oder Chimes bezeichnet) sind das mit Abstand monumentalste und klanggewaltigste Instrument innerhalb der Familie der Schlaginstrumente (Schlagidiophone). Im klassischen Sinfonieorchester übernehmen sie eine ganz besondere Aufgabe: Sie simulieren den tiefen, feierlichen und majestätischen Klang von tonnenschweren Kirchenglocken, ohne dass dafür echte, massive Gussglocken in den Konzertsaal transportiert werden müssen. 

Ihre Konstruktion ist ebenso schlicht wie genial. Das Instrument besteht aus einer Reihe von vertikal aufgehängten, hohlen Rohren, die traditionell aus hochwertigem Messing oder verchromtem Stahl gefertigt werden. Diese Rohre sind exakt auf chromatische Tonhöhen gestimmt und wie die weißen und schwarzen Tasten eines Klaviers in zwei Reihen hintereinander aufgereiht. Das physikalische Geheimnis ihres Klangs liegt im Anschlag: Die Rohre werden nicht in der Mitte, sondern mit einem schweren Holz- oder Kunststoffhammer (dem Röhrenglockenschlägel) am oberen, verstärkten Rand – dem sogenannten Glockenkopf – angeschlagen. Dadurch entsteht ein ungemein obertonreicher, durchdringender und sakraler Klangcharakter. 

Da die massiven Metallrohre nach dem Anschlag extrem lange nachschwingen, besitzt das Instrument an der Unterseite des Rahmens ein breites Dämpfer-Pedal. Tritt der Musiker das Pedal nach unten, wird eine Filzdämpfung von den Rohren gelöst und sie können frei im Raum erklingen; lässt er das Pedal los, drückt sich der Filz sofort wieder gegen das Metall und stoppt den gewaltigen Nachhall abrupt. 

Ihre Geburtsstunde schlug im späten 19. Jahrhundert in England, als der Erfinder John Harrington ein Patent für die praktischen Metallröhren anmeldete, um sperrige Theaterglocken zu ersetzen. Weltberühmt wurden die Röhrenglocken im Jahr 1973 durch das gleichnamige Kult-Album Tubular Bells von Mike Oldfield, das den Soundtrack für den Horrorfilm Der Exorzist prägte. Heute sind sie aus epischen Filmmusiken, modernen Pop-Produktionen und großen orchestralen Werken – wie Hector Berlioz’ Symphonie fantastique – absolut nicht mehr wegzudenken. 

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