
Wer an die Musik des späten Mittelalters und der Renaissance denkt, hat meist sofort die sanften, hoheitsvollen Klänge einer Laute (Affiliate-Link)¹ im Ohr. Sie ist der historische Großvater unserer modernen Gitarre (Affiliate-Link)¹ und galt über Jahrhunderte hinweg als das edelste aller Zupfinstrumente. An den königlichen Höfen und im gehobenen Bürgertum Europas war sie das absolute Modeinstrument. Doch die Laute ist weit mehr als nur ein historisches Relikt für Museumsbegeisterte. Ihre hochkomplexe Bauweise und ihr feinsinniger, intimer Klangcharakter faszinieren Musiker und Instrumentenbauer bis heute.
Das größte bauliche Geheimnis der Laute (Affiliate-Link)¹ liegt in ihrem Korpus, der auch als „Muschel“ bezeichnet wird. Im Gegensatz zur flachen Bauweise einer modernen Gitarre (Affiliate-Link)¹ besitzt die Laute eine tief gewölbte, halbbirnenförmige Rückseite. Diese wird in extrem aufwendiger Handarbeit aus zahlreichen dünnen Holzspänen – oft im Wechsel aus hellen und dunklen Edelhölzern – wie eine Schale zusammengesetzt. Die vordere Fichtenholzdecke ist hauchdünn und besitzt kein offenes, rundes Schallloch. Stattdessen wird direkt aus dem Holz der Decke ein filigranes, gitterartiges Ornament geschnitzt, die sogenannte Rosette. Ein weiteres, unverkennbares Merkmal ist der Wirbelkasten am oberen Ende des Halses, der in einem fast 90-Grad-Winkel scharf nach hinten abgeknickt ist. Diese Konstruktion sorgt für den optimalen Druck der Saiten auf den Obersattel und hält das Instrument trotz der enormen Saitenanzahl kompakt.
Vom arabischen „Oud“ zum unersetzlichen Hofinstrument
Die Reise der Laute (Affiliate-Link)¹ nach Europa ist eine faszinierende Kulturgeschichte. Ihr direkter Vorfahr ist die arabische Kurzhalslaute Oud (was übersetzt schlicht „Holz“ bedeutet). Im Zuge der maurischen Besiedlung Spaniens und durch die Kreuzritter gelangte das Instrument im Mittelalter nach Europa. Die europäischen Instrumentenbauer passten die Laute im Laufe der Zeit an die hiesigen Hörgewohnheiten an: Sie fügten Bundstäbchen aus Darm hinzu, veränderten die Stimmung und erhöhten die Anzahl der Saiten massiv.
Ihre absolute Blütezeit erlebte die Laute (Affiliate-Link)¹ im 16. und 17. Jahrhundert. Sie war das universelle Instrument schlechthin – vergleichbar mit dem Klavier (Affiliate-Link)¹ im 19. Jahrhundert oder der Gitarre (Affiliate-Link)¹ heute. Man nutzte sie für intime Liederabende, virtuose Solostücke und als tragendes Fundament in barocken Ensembles. Bedeutende Komponisten wie der Engländer John Dowland schrieben weltberühmte, melancholische Meisterwerke exakt für dieses Instrument. Mit dem Aufkommen lauterer Orchesterinstrumente und des Klaviers trat die Laute im 18. Jahrhundert langsam in den Hintergrund. Heute erlebt sie jedoch im Zuge der historischen Aufführungspraxis eine fulminante Renaissance und verzaubert Hörer weltweit immer dann, wenn Musik einen besonders edlen, zarten und geschichtsträchtigen Charakter transportieren soll.
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