
Das Cembalo (historisch auch Clavicembalo oder englisch Harpsichord) ist der wohl berühmteste und wichtigste Vorläufer des modernen Klaviers. Vom 15. bis zum späten 18. Jahrhundert war es das unangefochtene Hauptinstrument des Barocks. Fast jeder große Komponist dieser Epoche, allen voran Johann Sebastian Bach, schrieb seine Tastenwerke für dieses Instrument.
Obwohl das Cembalo auf den ersten Blick wie ein kleiner, schmaler Flügel aussieht, unterscheidet es sich in seiner physikalischen Tonerzeugung radikal vom Klavier: Beim Klavier schlagen Filzhämmerchen auf die Saiten. Beim Cembalo hingegen werden die Saiten mechanisch gezupft. Drückt der Spieler eine Taste, bewegt sich im Inneren eine schmale Holzleiste (ein sogenannter Springer) nach oben. Ein kleiner Kiel (früher aus Vogelfedern, heute oft aus Kunststoff) zupft die Saite im Vorbeigleiten an – ähnlich wie das Plektrum einer Gitarre. Dadurch gehört das Cembalo formal zur Familie der Tasten- und Zupfinstrumente.
Dieses Zupf-Prinzip verleiht dem Cembalo dessen unverwechselbaren, hellen, silbrigen und leicht rauschenden Klang. Es bringt jedoch eine physikalische Besonderheit mit sich: Da die Saiten immer mit der exakt gleichen Kraft gezupft werden, kann der Spieler die Lautstärke nicht durch härteren oder sanfteren Tastendruck beeinflussen. Um dennoch dynamische Unterschiede und verschiedene Klangfarben zu erzeugen, besitzen große Cembali – wie das Modell auf unserem Bild – oft zwei übereinanderliegende Tastaturen (Manuale) und verschiedene Register, mit denen zusätzliche Saitenreihen zugeschaltet werden können.
Ein weiteres markantes Merkmal sind die historisch invertierten (umgekehrten) Tastenfarben, die du auch auf dem Foto gut erkennen kannst: Die Untertasten bestehen meist aus dunklem Ebenholz, während die Obertasten mit hellem Knochen oder Elfenbein belegt sind. Zudem waren die Instrumente in der Barockzeit wertvolle Statussymbole des Adels und des reichen Bürgertums. Deshalb wurde die Innenseite des geöffneten Holzdeckels traditionell von Künstlern mit prachtvollen, klassischen Landschaftsgemälden oder mythologischen Szenen verziert, was unserer Studio-Grafik ihren ganz besonderen historischen Charme verleiht.
Mit dem Aufkommen des Hammerklaviers im späten 18. Jahrhundert verlor das Cembalo rasant an Bedeutung, erlebt jedoch seit dem 20. Jahrhundert im Zuge der historischen Aufführungspraxis eine große Renaissance.
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